Im
Mittelalter glaubten die Menschen fest an die zentralen Verheißungen
der Kirche: die Auferstehung der Toten und das anschließende ewige Leben
im Himmel.
Je härter und entbehrungsreicher der Alltag vor allem für die einfache Bevölkerung war, desto stärker wurde diese Hoffnung. Unterernährung, fehlendes sauberes Trinkwasser, mangelnde Hygiene und unzureichend beheizte, zugige Behausungen machten den Tod allgegenwärtig. Viele Kinder starben bereits in jungen Jahren. Das Leben musste sich für die meisten wie ein düsterer Wartesaal anfühlen – ein Ort der Prüfung, den es möglichst sündenfrei und mit standhaftem Glauben zu durchstehen galt, um danach mit dem Paradies belohnt zu werden.
Im Laufe der Industrialisierung und mit allmählich steigendem Wohlstand verlor diese Verheißung jedoch zunehmend an
Strahlkraft. In der Gegenwart wirkt es, als trauten sich selbst viele
kirchliche Institutionen nicht mehr, offen vom himmlischen Paradies zu
sprechen. Auch ihnen scheint der lebendige Glaube daran abhandengekommen
zu sein.
So sieht sich der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts darauf verwiesen, sein Lebensglück vollumfänglich im Diesseits zu verwirklichen – eine zweite Chance scheint es nicht mehr zu geben. Deshalb nimmt in den westlichen Gesellschaften das ruhelose Streben nach maximalem irdischen Glück bisweilen bizarre Züge an und chemische Hilfsmittel aller Art sind weit verbreitet, ob Psychopharmaka, exzessiver Alkoholkonsum oder Drogen. Das Ergebnis sind Erschöpfung, innere Leere und das Gefühl, im Hamsterrad zu rennen.
Der Schriftsteller Lewis Carroll hat das in einem seiner Romane eindrucksvoll so beschrieben:
Alice und die Rote Königin rennen zusammen so schnell sie können. Als sie anhalten, bemerkt Alice, dass sie sich immer noch an exakt derselben Stelle befinden. Die Rote Königin erklärt ihr: "Nun, hierzulande musst du so schnell rennen, wie du nur kannst, um überhaupt auf demselben Fleck zu bleiben."
Die Vorstellung, beseelt zu sein
Anders sieht es aus für Menschen, die in dem Bewusstsein leben, nicht nur aus Fleisch und Blut zu bestehen, sondern mittels ihrer eigenen Seele in enger Verbindung mit der gesamten Schöpfung zu stehen. Denen gelingt es erfahrungsgemäß eher, diesem überhitzten irdischen Treiben mit einem inneren Augenzwinkern und einem entspannten Lächeln zu begegnen.
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"Der Himmel ist kollabiert"- Sadhguru on the Lost Concept of Heaven
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